Herr Dr. Jan-Michael Feustel
wurde am Dienstag, 27. Januar 2009 um 13:00 Uhr
auf dem Evangelischen Waldfriedhof Blankenfelde beigesetzt
Friedhof befindet sich an dem BERLINER Damm in Blankenfelde
(ca 20 min Fußweg vom S- u. Fernbahnhof Blankenfelde)
Von Heinrich-Heine Straße kommend rechts in den Berliner Damm,
dort nach etwa 200 Metern links
(leider nicht in Google und nicht im Telefonbuch)
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Seine beliebten und stets gut besuchten "Kirchenspaziergänge" in und um Berlin sowie Führungen zu Architekturzeugnissen werden ebenso wie seine Erzählabende zur Märchen- und Sagenwelt und seine Schilderungen aus dem Berliner und Brandenburgischen Milieu vielen Teilnehmern unvergessen bleiben. Seine vielfältigen Begabungen fanden ihren sicht- und hörbaren Ausdruck in der Verbindung eines hohen fachlichen Niveaus mit anschaulicher Vortragskunst.
- Seine Freunde
- Seine Mitwanderer und Zuhörer seiner spannenden Märchen-
und Sagenabende
- Der Vorstand der Otto Bartning-Arbeitsgemeinschaft Kirchenbau e.V.
(OBAK)
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2. Klage gegen Prof. Dr. G. in dessen Privatsanatorium er als Patient
weilt, führte gestern Herr A. A. beschuldigt G., daß dieser
ihm im bewußtlosen Zustand einen Teil seines Brustkorbes ohne seine
Einwilligung zu medizinischen Versuchszwecken entfernt hätte, und
er also A. würde seit diesem Tag einfach keine
Ruhe mehr finden. G. erwiderte auf die Beschuldigungen, anders als durch
diesen Eingriff wäre A.'s Introvertiertheit und sein extremer Egozentrismus
nicht abzubauen gewesen, und zukünftige Generationen würden ihm
sowieso noch einmal dafür Dank sagen.
((Adam))
3. Ein bisher einmaliges Verbrechen verübte gestern der Landwirt
:K. , als er auf offenem Feld den ihm nahe verwandten Viehzüchter
A. erschlug. K. erklärte bei seiner Vernehmung, er hätte die
grundlose Bevorzugung von Ä. durch die oberste Behörde einfach
nicht mehr ertragen schließlich hätte er dem Chef
derselben auch schöne Geschenke gemacht, und er könne doch nichts
dafür, daß dieser A. zähe Lammkoteletts seinem vitaminreichem
Gemüse vorzöge. Wegen dieses staatsloyalen Motivs würde
von einer strafrechtlichen Verfolgung K.'s abgesehen, ja er erhielt sogar
eine amtliche Kennmarke, die ihn vor jeder Nachstellung sichert.
((Kain und Abel))
4. Die Polizei scheint in den Ermittlungen über die Ursache
des Großfeuers, das im letzten Monat die Städte S. und G.,
die als Zentren der Freizeit und Vergnügungsindustrie international
bekannt waren, fast vollständig Zerstörte, einen entscheidenden
Schritt vorwärtsgekommen zu sein. Gestern wurde die Verhaftung von
L. , einem ehemaligen Einwohner der Ortschaft bekanntgegeben, der unter
dem dringenden Tatverdacht der Brandstiftung steht. Die Staatsanwaltschaft
gab bekannt, daß L. nicht nur unmittelbar:; vor der Katastrophe die
Stadt mit seiner ganzen Familie fluchtartig verlassen hat, sondern auch
mehrere Wochen vor jenem Zeitpunkt in seinem Haus einigen verdächtigen
Ausländern Obdach gewährt und sie sogar vor dem Zugriff der örtlichen
Bürgerwehr geschützt habe. Dabei würden sich die Verdachtsmomente
verdichten, daß es sich bei diesen Personen um Mitarbeiter eines
Nachrichtendienstes gehandelt habe. L. , gegen den auch wegen Inzestverdacht
bezüglich seiner Töchter und wegen des ungeklärten plötzlichen
Verschwindens seiner Ehefrau ermittelt wird, leugnete jede Beteiligung
an der Brandstiftung und behauptete sogar, daß ein Dutzend Männer
seinesgleichen den Untergang der Städte in jedem Falle hätten
verhindern können.
((Sodom und Gomorrha))
5. Klage gegen Herrn N. , der als Besitzer der größten
Privatmenagerie der Welt gilt, reichte gestern der örtliche Tierschutzverein
ein. N. wird beschuldigt, daß er die Tiere unter hygienisch völlig
unzureichenden Verhältnissen in einem selbstgezimmerten engen hölzernen
Gehäuse gefangenhält, das er auch mit seiner Familie bewohnt.
N. entgegnete auf diese Beschuldigungen, anders wäre die Vielfalt
der Tierwelt auf der Erde nicht zu erhalten, und seinen Anklägern
würde das Wasser sowieso bald bis zum Halse stehen.
((Noah))
6. Interpol fahndet intensiv nach Herrn L. , der auch unter den Namen
T. , S. und M. auftritt. L. , ein ehemaliger Beamter im höchsten Dienst,
wurde nach einem von ihm geleiteten fehlgeschlagenen Putschversuch in die
heißeren Zonen verbannt. Danach tauchte er jedoch überall in
der Welt wieder auf, um die Menschen um ihren kostbarsten Besitz zu bringen,
wobei er mit Versprechungen aller Art, ja sogar mit juristisch einwandfreien
Verträgen arbeitet. Interpol teilt mit, daß trotz aller Kunst
der Maske L. leicht an seiner Gehbehinderung. seinem auffallend unangenehmen
Körpergeruch und einer spezifischen Art von Wasserscheu zu identifizieren
ist, und warnt wegen der äußerst langfristigen Folgen vor jeder
Kontaktaufnahme mit ihm.
((Luzifer/TeufelSatan))
7. Einen schweren Verlust hat die einheimische Sportwelt erlitten
der bekannte Schwerathlet und Meister in verschiedenen Kampfsportarten
Herr G. wurde gestern auf offenem Feld von dem Jugendlichen D. ermordet.
D., der vor einiger Zeit das Studium der Viehhaltung abgebrochen
hatte, um in der Rockszene der Hauptstadt eine steile Karriere zu machen,
und dabei sogar zum Lieblingsinterpreten unseres Staatsoberhauptes avancierte,
äußerte, er hätte diese Tat im Interesse der nationalen
Sicherheit begangen. Bis zur Prüfung dieser Behauptung wird D.'s
Katapult als Tatwaffe konfisziert.
((David und Goliath))
8. Ein abstoßendes Sexualverbrechen wurde heute aus unserem
Regierungssitz gemeldet. Fräulein S., eine nahe Verwandte unseres
Staatsoberhauptes, verging sich sexuell an den sterblichen Überresten
des vor kurzem wegen Majestätsbeleidigung hingerichteten Volksaufwieglers
J., der sich vormals durch seine Kaltwasserkuren einen Namen gemacht
hatte. Besonders abstoßend erscheint, daß Fräulein S.,
die als Erfinderin des Striptease Tanzes gilt, alle ihr zur Verfügung
stehenden Mittel einsetzte, um die Verurteilung von J. zu forcieren. Auf
Befragen gab sie an, lebendig hätte sie J. einfach nicht an sich herangelassen,
und sie wäre nun einmal auf diesen Mann scharf gewesen.
((Salome))
9. Wie die regierungsamtliche Nachrichtenagentur meldet, hat das
unvermutete Auftreten eines aggressiven Aufrührers in B. die Sicherheit
des Staates in hohem Maße gefährdet. Trotz seines jugendlichen
Alters und seiner fragwürdigen Herkunft er soll sicheren
Informationen zufolge außerehelich gezeugt worden sein
maßt sich dieses Individuum Titel und Macht unseres Staatsoberhauptes
an, was teils aus seiner Herkunft, teils aus astronomischen Konstellationen
abgeleitet wird. Besonders besorgniserregend erscheint, daß dieses
Ereignis von ausländischen Kräften sofort zur Einmischung in
die inneren Angelegenheiten unseres souveränen Landes mißbraucht
wurde, denn führende Regierungsvertreter dreier östlicher Staaten
weilten bereits zu einer offiziellen Audienz bei jener Person und erkannten
ihre Ansprüche voll an, übergaben ihr sogar kostbare Geschenke
als Zeichen ihrer Freundschaft. Wie unser einzig reguläres Staatsoberhaupt,
Exzellenz H., auf einer Pressekonferenz mitteilte, war es ihm nicht
einmal im persönlichen kollegialen Gespräch mit jenen Politikern
gelungen, sie von diesem scharfen Affront gegen unsere legitime Regierung
abzuhalten. H. äußerte in bewegten Worten zu diesem Schlag gegen
den gesellschaftlichen Frieden in unserem Lande, er hoffe nur, bald jenes
infamen Rebellen habhaft zu werden, sonst werde sicher seine ganze Generation
für seine Verbrechen zu büßen haben.
((Drei Könige, Bethlehem, Herodes))
10. Immer mehr Leserbriefe und Resolutionen von Arbeitskollektiven
fordern in unseren Massenmedien eine strenge Bestrafung von Herrn J.
Herr J., aus kleinbürgerlichen Kreisen stammend, ohne festen
Wohnsitz, im westlich dekadenten Gammlerlook verdient sich seinen Lebensunterhalt,
indem er ohne Lizenz auf Familienfeiern Zauberkunststücke vorführt
und ohne Ausbildung als Heilpraktiker tätig ist. Daneben veranlaßt
er ein Dutzend ihm blind ergebener Jugendlicher, die er damit von gesellschaftlich
nützlicher Arbeit abhält (so konnte die örtliche Fischereigenossenschaft
durch seine Schuld ihren Gegenplan nicht erfüllen), von ihm verfaßte
Geschichten und Aufrufe, die offen unsere Ideologie attackieren,
zu propagieren und weiterzuverbreiten. Nachdem er unlängst auch noch
im größten Kaufhaus der Hauptstadt randalierte, das dortige
Personal beschimpfte und verprügelte, wurde er von den Sicherheitsorganen
festgenommen. Nach eingehender Aussprache mit General P., dem Oberkommandierenden
der zeitweise auf unserem Territorium stationierten Truppen des mit uns
ewig fest verbündeten R., wird J. seiner gerechten Bestrafung
zugeführt werden.
((Jesus, Apostel, Pilatus, Rom))
Weitere Polizeiberichte handelten von Märchenfiguren. Diese liegen mir aber nicht vor.
Dr. Jan Feustel ließ das Publikum ein Rilkegedicht nennen, und dann sagte er es in seiner unbeschreiblichen Art auf. Eines, das recht häufig dran kam, ist das folgende:
Sie muss immer sinnen: Ich bin... ich bin...
Wer bist du denn, Marie?
Eine Königin, eine Königin!
In die Knie vor mir, in die Knie!
Sie muss immer weinen: Ich war... ich war...
Wer warst du denn, Marie?
Ein Niemandskind, ganz arm und bar,
und ich kann dir nicht sagen, wie.
Und wurdest aus einem solchen Kind
eine Fürstin, vor der man kniet?
Weil die Dinge alle anders sind,
als man sie beim Betteln sieht.
So haben die Dinge dich groß gemacht,
und kannst du noch sagen wann?
Eine Nacht, eine Nacht, über eine
Nacht, -
und sie sprachen mich anders an.
Ich trat in die Gasse hinaus und sieh:
die ist wie mit Saiten bespannt;
da wurde Marie Melodie, Melodie...
und tanzte von Rand zu Rand.
Die Leute schlichen so ängstlich
hin,
wie hart an die Häuser gepflanzt,
-
denn das darf doch nur eine Königin,
dass sie tanzt in den Gassen: tanzt!...
Rainer Maria Rilke, 1899
Er wird aufgegriffen und für den Priester gehalten. Als "Priester"
soll er Dienst in einer Fischergemeinde antreten.
In der Priesterrolle versucht der (immer noch atheistische) Erzähler,
aufklärerisch zu wirken und der Gemeinde zu helfen (auch sozial gegen
einen reichen Mann?).
Aber alle seine Versuche zur Aufklärung werden ihm als besondere Frömmigkeit ausgelegt. So kommen bei Sturm die Fischersfrauen, damit er für die Fischer auf hoher See bete. Der "Priester" besorgt Farben und lässt die Fischersfrauen auf eine Wand malen (quasi Beschäftigunstherapie?). Es entstehen Bilder (ein Bild) von den Fischern im Sturm. Schließlich ist der Sturm zuende, und die Fischer kommen heil nach Haus. Angeblich hat das heilige Bild Wunder gewirkt. usw.
Es kommt die französische Revolution. Der Erzähler soll als Priester einen Eid auf die Revolutionsregierung leisten. Er lehnt ab, weil er seine Fischergemeinde nicht verraten will. Und stirb als heiliger Märtyrer...
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Der Bäßler-Verlag mit Foto und Büchern von Jan Feustel http://www.baesslerverlag.de/autorendesverlages/538019973010dde14.html
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