Hanna-Chris Gast

Mein christlicher Glaube

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Aufsätze zu meinem Glauben als Download:
                               - Teil 1: Die Grundlagen des Christentums
                               - Teil 2: Christliche Ethik
                               - Teil 5: Informationen über den Islam
Ich schicke sie aber gerne auch Interessenten per Post zu, Adresse siehe unten im Impressum.
 

Inhaltsverzeichnis

Vorwort
Welche Religion ist die richtige?
Kurzfassung meines eigenen Glaubens
Zur Bibel
Was ist Wahrheit
Schöpfung
Gott und Monotheismus
Wunder und Auferstehung
Über Jesus
Jesus und Evolution
Jesus, Gottessohnschaft und Jungfrauengeburt
christliches Abendmahl und apostolische Sukzession
Gebet
Leben nach dem Tod  (Himmel, Hölle oder Wiedergeburt?) 
Religionen heute und in der Geschichte
Wirtschaftsordnung
Reichtum
Engel und Dämonen
Propheten und Stimmenhören
Stimmenhören und das Böse
Meine Vorstellung von Kirche
Homosexualität
Wahrsagerei und ähnliches
Abtreibung und Sterbehilfe
Selbstmord
Der Gläubige
Trinität
Schlusswort: Glaubensbekenntnis im Gottesdienst

Vorwort

Die Sache mit Gott ist zu wichtig, als dass man sie den Fachleuten überlassen kann. Ich war schon als Teenager nicht mehr in der Lage, etwas zu glauben, nur weil eine Autoritätsperson wie Lehrer, Eltern oder Pfarrer es so sagte. Inzwischen glaube ich auch nicht mal mehr etwas, nur weil es in der Bibel steht. "Gehorsam des Glaubens" kommt für mich nicht in Frage.

Ein Spruch, der mir gut gefiel, heißt in etwa: "Glauben ist, an die Existenz von Quellen und Ozeanen zu glauben, wenn Du lediglich einen Fluss sehen kannst..." Aber an einen Ozean zu glauben, wenn ich nicht einmal ein Gewässer zu sehen bekäme, das wäre wohl zu schwierig. Bei Trinität und Jungfrauengeburt hatte ich schon in der Konfirmandenzeit Probleme. Ich interessiere mich vielmehr dafür, wie Jesus historisch gesehen wirklich war und glaube daran, dass an seinen Lehren und Empfehlungen etwas Wahres daran ist.

Bei aller Spekulation ist aber zu beachten, dass die Erkenntnismöglichkeiten des Menschen in der Theologie genauso begrenzt sind wie zum Beispiel in der Physik. Wenn wir also anfangen, über die Natur von Jesus irgendwelche Glaubenssätze festzulegen, dann ist das genauso, als wenn Kindergarten-Kinder über die Funktionsweise eines Fernsehers diskutieren würden und dann die Mehrheitsmeinung zum ewigen Dogma erhöben. Deshalb betrachte ich meine religiösen Vorstellungen als "Arbeitshypothesen", die ich beim Auftauchen neuer Erkenntnisse jederzeit wieder umändern können muss. Doch nun der Reihe nach:
 

Welche Religion ist die richtige?

Ich bin auf der Suche und werde wohl mein ganzes Leben auf der Suche bleiben. Denn ich möchte eine Fixierung auf Dogmen vermeiden, die mich blind machen für neue Erkenntnisse oder gar Tatsachen. Ich glaube nicht, dass der Mensch eine absolute Wahrheit finden kann.

Ich bewundere die Ringparabel von Lessing in dem Theaterstück "Nathan der Weise". Ich glaube, dass keine Religion die volle Wahrheit hat, sondern viele Religionen ein Stückchen der Wahrheit besitzen, die eine vielleicht mehr als die andere, aber keine die vollständige Wahrheit. Es gibt da eine schöne Geschichte von ein paar Blinden, die einen Elefanten erforschen. Der eine tastet die Ohren ab und glaubt nun, dass Elefanten wie Segeltuch seien. Der zweite erwischt die Beine und vergleicht nun Elefanten mit Säulen usw. Natürlich glaube ich wie wohl fast alle Menschen, dass "meine Religion" der Wahrheit näher kommt als die anderen, sonst wäre es ja nicht das, was ich glaube.

Interessant ist, dass sich spirituell orientierte Menschen verschiedener Religionen (Mystiker) im Religiösen weniger unterscheiden als die Verstandesmenschen. Vielleicht ist es unser Fehler, unsere Begegnungen mit dem Göttlichen in philosophische Schemen pressen zu wollen.

Bei den Problemen der Menschheit von heute und von morgen halte ich es für nötig, dass sich die Gläubigen aller Religionen zusammentun im Kampf gegen Hunger, Krieg und so weiter, anstatt gegeneinander zu wirken. Der "Feind" sollte nicht mehr die jeweils andere Religion sein, sondern die Anbetung von Konsum, Wachstum und Macht einerseits und der Fundamentalismus andererseits.

Leider hat jede Religionsgemeinschaft viel historischen Ballast, welcher Menschen, die nach Gott suchen, abschrecken kann; z.B. beim Christentum das Trinitätsdogma und die Sühneopfertheorie - als ob Gott ein Jurist des 1. Jahrhunderts wäre! Wer nicht in kirchlich geprägten Kreisen groß geworden ist, wird sich damit schwer tun und sich vielleicht eher für eine andere Religion entscheiden. Entscheidend ist, ob wir danach leben, und nicht die Theorie.
 

Kurzfassung meines eigenen Glaubens

Meinen religiösen Vorstellungen kommt das Christentum am nächsten, allerdings ist für mich Jesus nur ein Mensch gewesen, der von Gott berufen und quasi "adoptiert" wurde. Ich sehe Jesus vom Judentum und nicht vom Heidenchristentum her.

Im Alten Testament stecken 1000 Jahre oder mehr an Erfahrungen mit Gott. Aber in dem Gebot der Nächstenliebe, sogar Feindesliebe, übertrifft Jesus selbst noch die Erkenntnisse der Psychologie des 20. Jahrhunderts! Allerdings helfen uns die heutigen Erkenntnisse von Medizin, Psychologie und der Naturwissenschaft, Jesus besser zu verstehen.

Mein Jesusbild ist recht einfach: Im Jahre 30 oder 33 unserer Zeitrechnung wurde ein "Wunderrabbi" hingerichtet. Dieser war drei Tage tot und erschien dann vielen Menschen, wohl über hundert. Er hat uns Botschaften hinterlassen, die wir, in etwa zumindest, in den Evangelien nachlesen können. Angesichts der heutigen Erkenntnisse über psychosomatische Medizin stehen die Wunderheilungen von Jesus nicht im Widerspruch zu den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen. Für die Auferstehung von Jesus gibt es allerdings noch keine naturwissenschaftliche Erklärung, aber die Zahl der Augenzeugen ist beachtlich. Auch heute noch haben manche Menschen Visionen von geliebten Verstorbenen. Ob es sich hier um dasselbe Phänomen handelt, bin ich mir noch nicht sicher.

Als Mensch der Naturwissenschaft fällt mir das nicht-naturwissenschaftliche Denken der Theologen sehr schwer. Ich habe schon in der Schule Probleme mit Philosophie gehabt. Zum Beispiel glaube ich nicht an Parthenogenese beim Homo Sapiens (Jungfrauengeburt). Auch der ganze Komplex mit "Jesus starb für uns" verstehe ich anders als die Kirche. Dass sein Kreuzestod nötig war für das Heilsgeschehen, sehe ich ein: "Das Weizenkorn muss in die Erde, damit es Frucht bringt." Aber nicht die Erklärung, dass Gott für unsere Sünden ein "unschuldiges Opfer" als Ersatzbuße verlangt. Im Zweifelsfall würde ich als Ingenieurin sagen, wir haben da ein paar Arbeitshypothesen, aber noch keine überzeugenden Theorien. Ich bin überzeugt, dass unsere heutige Naturwissenschaft noch lange nicht alles weiß, aber ich kann damit gut leben, ohne wild spekulieren zu müssen.

Ich höre immer wieder von Wunderheilern auch heute noch und glaube, dass Jesus bis heute mit seinen Heilerfolgen unübertroffen ist, und auch mit seinen spirituellen Erfahrungen. Ich persönlich glaube, dass Jesus auch (menschliche) Fehler hatte, aber wenn ich ihn mit Moses, Mohammed und Buddha vergleiche, gefällt er mir am besten. Allerdings finde ich, wir Christen sollten auch das Gute in den anderen Religionen sehen und gegebenenfalls übernehmen. Wir können von den anderen lernen, und sie vielleicht auch von uns.

Als selbständiger Mensch kann ich Jesus nur als Prophet verehren, aber nicht als Herrn anerkennen, wie es ein lutherischer Pfarrer einmal aus Voraussetzung für das Abendmahl ausdrückte. Aber andere Pfarrer (und Pfarrerinnen) akzeptieren mich auch mit meiner oben geschilderten Einstellung zum Abendmahl. Deshalb denke ich, dass ich vor dem Abendmahl meine Ansichten mit dem jeweiligen Pfarrer abspreche, und notfalls zu einem anderen Pfarrer gehe, wenn er mit mir Probleme hat.

Ich träume nicht nur von einer Gemeinschaft aller Christen, sondern auch von einer Gemeinschaft aller, die den Lehren von Jesus folgen, egal welcher Religion sie angehören.
 

Was ist Wahrheit

Wenn ich mit einigen Theologen darüber rede, dass Jungfrauengeburten im Widerspruch zu den Erkenntnissen der Biologie stehen, wenden sie ein, dass die Theologie einen anderen Begriff von "Wahrheit" verwenden als die Naturwissenschaftler. Ein Theologe brachte es auf den Punkt: "Die Weihnachtsgeschichte ist zwar keine historische Tatsache, aber dennoch Gottes Wort", und von daher hat sie uns viel zu sagen.

Ich selber habe aber als naturwissenschaftlich geprägter Mensch damit Probleme. Ich selber frage lieber, was ist historisch richtig und was bloß Legende, und unterscheide da gerne. Als historischen Fakt sehe ich zum Beispiel, dass einige Tage nach der Kreuzigung von Jesus einige Menschen kamen und erzählten, sie hätten Jesus gesehen, bis hin zu Paulus, der Christus vor Damaskus erlebte, und es in seinen Briefen selbst bezeugte. Für Skeptiker bin ich natürlich in dieser Hinsicht wohl noch viel zu sehr dogmatisch und zu wenig philosophisch offen. Aber ich plane hier ja keinen Gottesbeweis.
 

Die Bibel
Die Bibel ist eine Sammlung der Erfahrungen von Menschen mit Gott über einen Zeitraum von über 1000 Jahren. Sie zeigt die Entwicklung des Gottesbildes der Menschen. Sie ist meines Erachtens nicht von Gott wörtlich inspiriert und 100 prozentige Wahrheit. Ich selber hätte gerne einen Teil davon aussortiert, aber jede Generation würde sicher eine andere Auswahl treffen. Von daher verbietet sich das Wegtun eines Teiles.

Während große Teile des Alten Testaments ein enormes Hintergrundswissen erfordern, sind die Worte Jesus an den einfachen Hörer gerichtet, so dass heute nach 2000 Jahren noch der einfache Leser der (synoptischen) Evangelien ihn direkt verstehen kann.

Die Worte: "Niemand kommt zum Vater denn durch mich" dürfen aber nicht so interpretiert werden, dass alle anderen Religionen von Gott verdammt sind und in die Hölle führen, was Kreuzzüge usw. zur Christenpflicht macht. So etwas glaubt heute nicht einmal mehr ein Papst.  Diese Jesus-Worte sind wohl meines Erachtens so zu verstehen, dass der von Jesus gezeigte Weg der einzig-mögliche ist. Ich denke, dass Gott diesen Weg sicher irgendwie auch den Angehörigen anderer Religionen offenbart haben wird, die von Jesus von Nazareth noch nie was gehört haben, wenn auch vielleicht etwas indirekter und umständlicher.
 
 
 

Schöpfung

Der Anfang unseres jetzigen Weltalls war nach heutiger Ansicht ein Urknall. Als das erste Elementarteilchen auftauchte, waren Naturgesetze da, nach denen es sich richtete. Diese Naturgesetze sehen manche Naturwissenschaftler als Beweis für einen planenden Schöpfer, der alles sinnvoll ordnete. Anders als in der Bibel (Joh. 1,1 ff. und Gen. 1) würde ich also sagen: "Im Anfang war das, dessen Abglanz wir als 'Naturgesetze' umschreiben." Die Bibel nennt es ["logos"], das "Wort", durch welches Gott diese Welt schuf bzw. immer noch am Schaffen ist.

In einem SF-Roman übersetzt der Autor (Harry T. Master in der Sedu-Pio-Trilogie) den Anfang des Johannes-Evangelium mit "Im Anfang war das Licht". Darüber grübelte ich nach. Für mich sind Licht elektromagnetische Wellen von 380 nm bis 780 nm und Wörter modulierte Schallwellen. Ich würde das Bibelwort "en archä än ho logos" eher übersetzen mit "Im Anfang war die 'Vernunft', die ordnenden Gedanken Gottes."

Ob Gott sich in dieser Welt (d.h. in jeden einzelnen Atomteilchen) inkarnierte, sie "von außen lenkt" oder "in mit und dazwischen" existiert, ist meines Erachtens Spekulation. Jegliches Dogma hierüber würde ich ablehnen.
 

Gott und Monotheismus

Ob es
__a) einen Gott gibt, von dem sowohl das Gute als auch das Böse kommt,
__b) einen Gott für das Gute und einen von Gott getrennten Teufel für das Schlechte gibt oder
__c) verschiedene Götter gibt,
das ist reine Glaubenssache. Ich selber bevorzuge zur Zeit die Variante a). Sie entspricht dem, mit dem ich als Kind groß geworden bin, was natürlich kein Beweis ist.

Die Wahrheit ist für den menschlichen Verstand wohl zu komplex, und was Menschen nach Meditationen mit Erleuchtung erzählen, ist unabhängig davon, ob sie vor der Erleuchtung Atheisten oder Gläubige waren, wurde mir erzählt. Ich denke, ob man Gott als "Person" sieht oder als die Kraft, aus der heraus der Kosmos sich entfaltet, sind kindische Definitionen, die im Grunde nicht entscheidend sind.

Ich frage mich, ob Buddhisten, Christen, Hindus, Juden und Moslems sowie Animisten wirklich denselben einen Gott anbeten, ohne es zu wissen. Manchmal kommen mir da Zweifel. Aber den Gedanken, dass nur ich bzw. meine kleine Religionsgemeinschaft den einen "wahren" Gott anbeten und alle anderen 6  bis 8 Milliarden Menschen den falschen, finde ich absurd. Ich stelle mir gerne vor, dass alle Menschen guten Willens in ihrem Gefühl mit demselben einen Gott im Gebet kommunizieren, egal, welche kognitiven Theorien sie vorher gelernt haben.

Zum Thema Dogmatik gibt es einen Witz, den ich sehr treffend finde: "In der Bibliothek des Himmelreiches befindet sich die Dogmatik in der Witzbuchabteilung". Das Verbot, sich Bilder von Gott zu machen, sollte auch für dogmatische Theorien wie zum Beispiel die Trinitätslehre gelten. Was über die nachvollziehbare Erfahrung hinausgeht, ist höchstens (Arbeits-) Hypothese und sollte nie Dogma werden.
 

Wunder und Auferstehung

Was sind Wunder? Wurden die Naturgesetze in der Zeit von Moses bis Paulus stellenweise außer Kraft gesetzt? Ich kann nicht nachvollziehen, wie Menschen des 21. Jahrhunderts dieses glauben können. Dazu gehört mehr Glaubenskraft, als ich habe. Die Wissenschaft kennt noch nicht alle Naturgeheimnisse und wird es vielleicht niemals schaffen, und manche Wunder sind vielleicht fehlerhaft tradiert. Ich persönlich glaube, dass Jesus Heilungen vollbrachte, die auch heutige Mediziner und Psychotherapeuten (noch) nicht beherrschen. Schliemann glaubte an Homer und entdeckte Troja. Vielleicht, dass ein Mediziner an Jesus glaubt und ein Heilverfahren für Psychose und multiple Persönlichkeit findet …

Bei der Auferstehung von Jesus habe ich (zur Zeit) die Vorstellung, dass Jesus nur geistig auferstand und nicht körperlich. Für die biblischen Berichte vom leeren Grab habe ich (bis jetzt zumindest) keine Erklärung. In der Bibel wird ferner berichtet, dass Jesus nach der Auferstehung Dinge tat, die einen materiellen Körper voraussetzen, etwa dass er das Brot brach oder Fische briet. Dafür würde die Hypothese passen, dass Jesus nur scheintot war und die Römer ihn voreilig für tot hielten. Bloß dann wäre er nicht so unbeschwert nach Emmaus mitgewandert, sondern gehumpelt. Außerdem wird erzählt, dass Jesus in einem verschlossenen Raum auftauchte und wieder verschwand. Das widerspricht der Scheintot-Theorie. Für die Theorie der geistigen Auferstehung passt, dass Jesus dem Paulus vor Damaskus als Licht erschien.

Mit dem Glauben an eine geistige Auferstehung habe ich keine Probleme. Nach dem Tod unseres Kindermädchens im Januar 1999 hatte ich ein taktiles Totengeist-Erlebnis. Und wenn so etwas schon bei normalen Menschen passiert, wie viel stärker wird es dann bei einer so unvergleichlichen Persönlichkeit wie Jesus von Nazareth gewesen sein! Ich glaube, dass solche Auferstehungen im Geiste nicht im Widerspruch zu den Naturgesetzen stehen. Ich werde aber weiter darüber nachforschen und nachdenken.
 
 

Über Jesus

Im Alten Testament stecken 1000 Jahre oder mehr an Erfahrung, aber in dem Gebot der Nächstenliebe, sogar Feindesliebe, übertrifft Jesus sogar noch die Erkenntnisse der Psychologie des 20. Jahrhunderts! Allerdings helfen uns die heutigen Erkenntnisse von Medizin, Psychologie und der Naturwissenschaft, Jesus besser zu verstehen. Schon heute kann im Prinzip jeder Theologe bereits mehr über Jesus an Wissen besitzen, als es je zuvor möglich war, mit Ausnahme der Augenzeugen natürlich.

Als Mensch der Naturwissenschaft glaube ich zum Beispiel nicht an Wunder, die den Naturgesetzen widersprechen, zum Beispiel, dass Jesus von einer Jungfrau geboren sein soll. Parthenogenese gibt es bei niederen Wirbeltieren, aber nicht beim Homo Sapiens. Allerdings bin ich überzeugt, dass auch unsere heutige Naturwissenschaft noch lange nicht alles weiß, und höre immer wieder von Wunderheilern auch in heutiger Zeit. Ich glaube, dass Jesus bis heute mit seinen Heilerfolgen und mit seinen spirituellen Erfahrungen unübertroffen ist. Aber ich persönlich denke, dass auch Jesus als Mensch menschliche Fehler hatte.

Ich glaube, dass vor 2000 Jahren, als die Menschheit langsam anfing, dafür reif zu werden, Jesus uns mit seiner Lehre von Nächstenliebe und Barmherzigkeit ein Rezept für ein glückliches Leben gab, gewissermaßen ein "Sauerteigrezept". Auch wenn sie bis jetzt leider nur von einem Teil der Menschen ernst genommen wird und auch nur begrenzt von den politisch mächtigen Menschen – so ist diese Lehre doch inzwischen in allen Teilen der Welt verbreitet, auch außerhalb des Christentums. Dieselben Kernpunkte lehrte ansatzweise auch Buddha, unabhängig von Jesus. Ich glaube, dass die Menschheit besser dran ist, wenn sie diese Nächstenliebe praktiziert, und dass dies vielleicht eines Tages von Soziologen und Psychologen bewiesen werden kann. Hauptsache, die Menschen praktizieren, was Jesus lehrt, egal, auf welche Religion sie sich dabei berufen.

Schwierigkeiten habe ich mit der Sühneopfer-Theorie. Ich kann nicht nachvollziehen, dass vor 2000 Jahren ein Unschuldiger für meine Verfehlungen von heute sterben musste. (Polemisch ausgedrückt: "Das Christentum ist die Lösung für die Angst- und Schuldgefühle, welche die Menschen ohne das Christentum gar nicht erst hätten"). Ich denke, in der Kirche wird zuviel von Jesus geredet und zuwenig von seiner Lehre, wie man leben soll. Dass der Kreuzestod nötig war, glaube ich dagegen bereitwillig, auch wenn ich dafür eine andere Theorie anbiete als die Amtskirchen:
Jesus starb nicht, um einen verärgerten Vater mit einem unschuldigen Tod anstelle von uns zu versöhnen, sondern er starb für unser Heil , so wie ein Samenkorn in der Erde vergehen muss, um eine Pflanze hervorzubringen, nämlich das von Jesus verkündigte Himmelreich, das schon jetzt unter und zwischen uns ist. Vielleicht ist dieses Himmelreich identisch mit der heiligen christlichen (weltumspannenden) Kirche, an die wir im Glaubensbekenntnis denken. Letztere ist leider überhaupt nicht identisch mit den real existierenden Konfessionen und Sekten.
 
 

Jesus und Evolution

Anders als in der Bibel sieht die heutige Naturwissenschaft die Welt als eine, die noch im Werden ist und nicht als eine Erde, die durch den Sündenfall verdorben ist. Der heutige Mensch ist noch weit weg vom Ziel der Evolution. Ich stelle mir das so vor: Durch die Entdeckung von Faustkeil, Feuer und Sprache entfremdete sich der Mensch von der Natur, es kam das Bewusstsein des Gottverlassenseins auf (Sündenfall). Später mit den Propheten des Volkes Israel im alten Testament und vor allem dann durch die Lehre von Jesus begann der nächste Schritt der Evolution: Die Vernetzung der Individuen im Bewusstsein; die Vorstellung, Glieder eines Leibes zu sein. Anfänge dazu gab es schon eher, etwa, dass die Römer die Bewohner ihrer Stadt mit den Teilen eines Körpers verglichen, oder dass man dies auf sein Volk bezog. Aber Jesus war der Erste, der dies auf alle Menschen bezog (wenn auch nach gewissen Anfangsschwierigkeiten).

 

Faustkeil, Feuer und Sprache haben sich vielleicht schneller verbreitet als die Lehren von Christus. Jesus kam, als die Menschheit anfing, dafür reif zu sein. (Ich denke, Jesus wäre gescheitert, wenn er in einer früheren Epoche aufgetreten wäre oder in einer späteren). Und wenn in 100 000 Jahren vielleicht der Name "Jesus" vergessen ist – sein Werk wird für die Entwicklung der Menschheit meiner Meinung nach die gleiche Wichtigkeit behalten wie die Entdeckung des Feuers und der Sprache. Während diese Technischen Errungenschaften das Leben nur quantitativ verbessern, nicht aber qualitativ (= "Sündenfall"?), hat die Botschaft Christi eine qualitative Verbesserung gebracht. Aber die Menschheit wird wohl noch ein paar tausend Jahre üben müssen, bis sich die Individuen ohne Nächstenliebe "ausgemendelt" haben …

Im Heft "Kontemplation und Mystik", Heft 1/2003 steht auf Seite 9 in einem Aufsatz von Willigis Jäger: "15 Milliarden Jahre kam dieses Universum ohne den Menschen aus und wird eines Tages wieder ohne ihn auskommen. Wo liegt die Bedeutung von Jesus Christus in der Vergangenheit, als es den Menschen nicht gab, und wo liegt sie, wenn er nicht mehr da ist, das Universum aber weiter existiert? ..."

Ich denke dazu: Irgendwann wird es den heutigen Homo-Sapiens nicht mehr geben, ebenso wie es das Tier, das als erstes vom Meer ans Land ging, oder den Saurier, der die ersten Flugversuche machte, auch nicht mehr gibt. Aber es gibt heute noch Vögel in der Luft und Tiere an Land; und genauso wird hoffentlich die evolutionäre Errungenschaft der Vernetzung aller Lebewesen ("ein Leib in Christo") zusammen mit dem System "Lebewesen" weitergegeben, solange es Leben in diesem Kosmos gibt, auch wenn es den Homo Sapiens als solchen ebensowenig mehr geben wird wie den Archäopterix. Also eher würde ich formulieren, dass es irgendwann keine Spur mehr von der jetzigen Konfessionen und historisch bedingter Dogmen mehr geben wird, und man wird den Namen "Jesus von Nazareth" vielleicht nicht mehr kennen. Aber seine Errungenschaft wird bleiben. In Jesus waltete die Evolution mit einem neuen Entwicklungsschritt, egal ob man es"logos" nennt oder sonstwie.
 

Jesus, Gottessohnschaft und Jungfrauengeburt

Der Gedanke, dass der "Gott Israels" in einem Menschen inkarniert, ist für mich vom Standpunkt des Alten Testaments her meines Erachtens gotteslästerlich. Kein Wunder, dass die Juden mit den Christen Probleme haben! Ich selbst kann mit den Aussagen des Johannes-Evangeliums nicht viel anfangen, in denen Jesus als göttlich dargestellt wird (auch wenn ich an das Weinwunder zu Kana glaube). Ich verehre Jesus als den Propheten, der uns das Rezept für Glücklichsein gab und uns den Weg zur Erleuchtung zeigte, ein "Sauerteigrezept", dass sich in der ganzen Menschheit ausbreitet. Noch ist nicht die ganze Menschheit mit der Lehre von Nächstenliebe durchdrungen, das braucht halt Zeit, wie eben ein Sauerteig. Ich glaube zumindest an einen Teil der Wunderheilungen und die Auferstehung von Jesus zu Ostern, aber Jungfrauengeburten gehören nicht dazu. Das Y-Chromosom muss Jesus von einem leiblichen Vater geerbt haben. Und da stimmen heute viele Theologen zu, die verkünden, dass die Weihnachtsgeschichte zwar keine historische Tatsache berichtet, auch wenn sie in ihrem Symbolgehalt "Gottes Wort" darstellt.

Der Ausdruck "Gottes Sohn" ist ein Ehrentitel, wie er für Könige üblich war. Das Gott keine "Söhne zeugt", wurde meiner Meinung nach von Mohammed zur Recht kritisiert. Im übrigen sind wir alle "Kinder Gottes", wenn auch nicht im biologischen Sinne, und beten daher zu Recht: "Vater unser". Dass der in Jesus uns offenbar gewordene "Logos" möglicherweise schon vor dem Urknall existiert haben kann, bedeutet für mich noch nicht, das Jesus als Mensch inkarnierter Gott ist.

Die Trinitätslehre ist für mich nicht nachvollziehbar, ich sehe mich aber (bis jetzt zumindest) nicht als berechtigt an, sie zu kritisieren, bloß weil ich sie nicht verstehe. (Meine innere Stimme rät mir, sie nicht zu sehr zu kritisieren. Vielleicht ist sie für Theologen, die dogmatische Forschung anstellen, genauso bedeutsam wie für den Elektroingenieur die komplexen Zahlen.) Aber es ist eine unnötige Hemmschwelle, einfache Gläubige mit so etwas zu behelligen, und deshalb finde ich, man solle die normalen Gläubigen mit solchen Theorien in Ruhe lassen! Ich kenne Menschen, die traten unter anderem deshalb zum Islam über. Außerdem erschwert es die Verständigung mit Juden und Moslems.
 

christliches Abendmahl und apostolische Sukzession

Beim Abendmahl sollte die Vorstellung aller Teilnehmer von der Gemeinschaft der Gläubigen (ein "Leib in Christus") meines Erachtens wichtiger sein als die Legitimation des Abendmahl-Austeilenden (wie zum Beispiel eine apostolische Sukzession) oder die Theorie über die Natur von Brot und Wein beim Abendmahl. Wenn das Abendmahl im Glauben praktiziert wird, so denke ich, dass auch der Geist Gottes oder der Geist Christi anwesend ist. Und ich glaube, es auch spüren zu können. Welche Rolle die Natur von Brot (Hostie bzw. Oblate) und Wein sowie die Legitimation des Austeilenden spielen, mag unter den Fachleuten eine wissenschaftlich interessante Frage sein. Für die Gemeinschaft der Christen in aller Welt, für die Ökumene, darf dies meines Erachtens keinesfalls ein Trennungsgrund sein, der zum Ausschluss Angehöriger anderer Konfessionen vom Abendmahl führt, oder, wie beim Kirchentag, zum Berufsverbot für einen Priester, der ein ökumenisches Abendmahl veranstaltete.

Nach Calvin ist das Abendmahl eher eine symbolische Handlung, nach Luther ist Christus "in, mit und unter" dem Brot und dem Wein, nach Ansicht der katholischen Kirche findet eine Wandlung statt. Die Frage kann zur Zeit noch nicht eindeutig beantwortet werden, aber eigentlich braucht sie nur für den Pfarrer von Interesse zu sein, der nach dem Gottesdienst die Reste entsorgen muss . . .

Ob eine Wirkung des Abendmahls auch für Nichtgläubige möglich ist, weiß ich nicht. Dazu müsste man ungeweihte und geweihte Hostien im Doppelblindversuch an Mäuse verfüttern, ein Experiment, was sich in der Realität wohl verbietet. (Dies meine ich ernst und nicht ironisch!). Inzwischen habe ich mehrfach vorgeführt bekommen, dass Materie wie etwa Wasser oder Kristalle "energetisch" (im esoterischen Sinne) aufgeladen werden kann und dies dann von sensiblen Leuten wahrnehmbar ist. Auch die Wirkung von Weihwasser wäre dann nachvollziehbar. Wenn die Wirksamkeit von Homöopathie  nachgewiesen werden kann, dann wäre es wohl auch nicht mehr weit zu einer wissenschaftlichen Erklärung der Wirkung des Abendmahls. Bei der Homöopathie wirk eine Arznei auch dann noch, wenn kein Atom von der Ursprungssubstanz mehr vorhanden ist. Ob nun Wein und Oblaten  beim Abendmahl quasi "aufgeladen" werden, wie es Esoteriker von Weihwasser und Kristallen erzählen, oder ob eine Veränderung der Molekülstruktur stattfindet, dass wird man vielleicht in einigen Jahren klären können.

Bezüglich apostolischer Sukzession gibt es Parallelen zum Reiki, wo auch gesagt wird, dass die Reiki-Kraft nur vom Meister zum Schüler weitergegeben werden kann. Ich bezweifele nicht, dass ein Handauflegen oder eine Weihehandlung eine Wirkung haben kann, aber es ist nicht die einzige Möglichkeit, den heiligen Geist zu erlangen. Die erfolgreichsten Geistheiler haben meines Wissens ihre Kraft in der Regel nicht von irgendeinem menschlichen Meister übertragen bekommen. Andererseits hat ja auch jeder Christ durch die Taufe eine gewisse "apostolische Sukzession" und sollte von daher berechtigt sein, bei Bedarf das Abendmahl auszuteilen.
 
 

Gebet

Ich glaube, dass Gebete und Meditationen auch Wirkungen haben, die über psychosomatische Effekte hinausgehen. Dass Buddhisten und Christen unterschiedliche Theorien dazu anbieten, braucht uns nicht davon abzuhalten. Vielleicht können wir sogar in gewissen Grenzen zusammen beten. Jesus sagte: "An den Früchten sollt ihr sie erkennen."

Übrigens sagte mir jemand, der Erfahrung mit Meditation hat, dass Menschen mit Meditier-Erfahrung (Mystiker) in allen Religionen im Laufe ihres Lebens sehr ähnliche Vorstellungen über das Transzendente entwickeln, und zwar aus ihrer persönlichen Erfahrung heraus. Skeptiker können sagen: "Die Stimulation des Temporallappens des Gehirns durch Meditation oder Elektroden löst Halluzinationen aus." Ich würde eher sagen: "Wir haben im Gehirn ein Sinnesorgan für Transzendenz."
 

Leben nach dem Tod (Himmel, Hölle oder Wiedergeburt?)

Ich selbst hänge nicht sehr am Leben und verstehe auch nicht, wieso die Menschen so wild nach einem Leben nach dem Tod sind. Wenn Buddhisten mit ihrer Religion versuchen, dem "Rad der Wiedergeburten" zu entrinnen, kann ich das eher verstehen. Vielfach wurden Höllendrohungen dazu verwendet, Kinder und Untertanen zu tyrannisieren. Müssen etwa fast alle Menschen in "Ewigkeit" (oder zumindest Jahrmilliarden bis zum Ende des jetzigen Universums) Höllen- bzw. Folterqualen erdulden, weil sie zu Lebzeiten nicht in der Lage waren, historisch äußerst fragwürdige Berichte von fragwürdigen Institutionen für die "Wahrheit" zu halten? Oder auch "nur" 1000 Jahre Fegefeuer, wie es meinem Vorfahren angedroht worden war, der als Priester das Zölibat nicht ausgehalten hatte?

Das Himmelreich, von dem Jesus sprach, kann mitten unter uns sein, wenn wir seinen Weg beschreiten. Wenn wir den Nächsten lieben und wenn wir beten bzw. meditieren, dann fragen wir nicht mehr, was nach dem Herzstillstand mit unserem "ich" passiert. Dann vertrauen wir Gott, dass er es schon zum Besten richten wird.

Im Christentum wird der Glaube an Reinkarnation abgelehnt. Das Leben hier und jetzt ist zu wichtig, als dass man etwas auf das "nächste Leben" verschieben kann. Das alte Testament kennt kein Leben nach dem Tod, wie es die Sadduzäer sahen, und Jesus spricht im Neuen Testament vom Himmelreich. Jesus benutzte in seinen Gleichnissen die Bilder von Himmel und Hölle. Es wird aber heute von Theologen vielfach so interpretiert, dass es eine Hölle nach dem Tod nicht geben soll. Aber da muss ich mich noch etwas mehr mit beschäftigen, bevor ich dazu etwas sagen kann. Jesus sagte, im Himmelreich sind die Verstorbenen wie die Engel.

Für die "Erinnerungen an frühere Leben", von denen einige Menschen erzählen, bevorzuge ich die Theorie von dem kollektiven Artgedächtnis nach Jung. Ob dieses Artgedächtnis chemisch in den Genen gespeichert ist oder parapsychologisch funktioniert, weiß ich nicht. Andererseits weiß man, dass das Gedächtnis von Gehirnzellen abhängt und zum Beispiel bei einer Alzheimer-Erkrankung zerstört wird. Bei einer Wiedergeburt müssten folglich alle Erinnerungen für immer gelöscht sein, eine Erinnerung an eigene frühere Leben ist unmöglich. Wenn es aber, wie die Christen (und Juden und Moslems) glauben, ein Leben nach dem Tod gibt, dann könnte Gott natürlich genausogut auch eine nochmalige Wiedergeburt als Mensch (mit Erinnerungen an das vergangene Leben) ermöglichen. Aber dies wäre nicht der zwangsläufige, normale Verlauf der Natur, und die Bibel sagt nichts dazu.
 

Religionen heute und in der Geschichte

In allen Religionen gab es Kriege und anderes, was ihren ursprünglichen Intentionen zuwider lief.
__a)  Die Christen hatten Hexenverbrennungen, und der Calvinismus rechtfertigte imperialistische Unterdrückung und Ausbeutung.
__b)  Die Moslems hatten u.a. die Taliban.
__c)  Die Juden unterdrücken Palästinenser.
__d)  Hindus und Buddhisten führen auch Kriege.
__e)  Kommunisten hatten Stalin.
__f)  Auch Menschen ohne jegliche Weltanschauung sind nicht besser.
Kurzum, die Religionszugehörigkeit alleine macht noch keinen guten Menschen. Die Menschen brauchen feste ethische Grundlagen, wie sie nicht nur Jesus lehrte, sondern alle Religionen. Aber die Menschheit braucht keinen Fundamentalismus.
 

Wirtschaftsordnung

Jesus sagte: "Ihr seid kein Teil dieser Welt." Aber wenn wir Christen unseren Einfluss nutzen, die Welt mitmenschlicher zu machen, dann ist das sicher nicht verkehrt. Und ich glaube, dass sich manche Wirtschaftsordnungen besser dazu eignen als andere.

Vielleicht würde jede Wirtschaftsordnung human, wenn alle Menschen nach der Bergpredigt lebten. Paulus zeigte keinerlei Interesse für die Abschaffung der Sklaverei – nicht einmal unter Christen! Aber eine Weltwirtschaft, in der einige prassen können und andere (wenn auch in anderen Ländern) notleiden – die ist nicht mit den christlichen Prinzipien vereinbar. Theoretische Frage: Wieso lässt der "christliche" Präsident Bush seine Armeen nicht in Länder einmarschieren, wo Leute hungern? Die Bibel fordert keine Demokratie, sondern Brot dem Hungrigen …

Ich persönlich glaube, dass die globale Marktwirtschaft ungeeignet ist, die Welt mitmenschlich im Sinne von Christus und Buddha zu gestalten. Vielleicht erfindet man irgendwann eine soziale Marktwirtschaft, einen Kapitalismus mit "menschlichem Antlitz", nachdem die sozialistischen Staaten am Egoismus der Menschen zugrunde gegangen sind. Offenbar ist die Menschheit, von Klöstern und Kibbuzim abgesehen (und auch diese meist nur für einige Generationen), noch lange nicht reif für idealistische Staatsformen wie den Sozialismus.
 

Reichtum

Jesus sagte: "Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in den Himmel kommt." Dieser Satz ist für mich schwerwiegender als die alttestamentarische Vorstellung, dass sich der Segen Gottes in materiellem Wohlstand zeigt. Sicher, Jesus sagte auch: "Vor Gott ist kein Ding unmöglich", und es gibt Unternehmer, die sehr sozial waren und für die Arbeitnehmer eher Wohltäter als Ausbeuter waren. Aber kann man mit diesen Ausnahmen eine Wirtschaftsordnung rechtfertigen? Ich weiß es nicht. Andererseits ist der Versuch des Sozialismus im 20. Jahrhundert an den Schwächen der Menschen gescheitert. Möglicherweise haben es die Menschen am leichtesten, zu Gott zu finden, die weder so arm sind, dass sie sich Sorgen um das täglich Brot machen müssen, als auch nicht so reich sind, dass sie sich um ihr Vermögen Gedanken machen müssen.

Für die Christen sollte es wohl wichtiger sein, die Botschaft Christi an die einzelnen Menschen zu vermitteln, als die ganze Welt verbessern zu wollen.

Engel und Dämonen

Sich mit Tieren zu verständigen, ist relativ leicht, weil sie genauso fühlen wie wir. Mit Pflanzen dürfte es schon schwieriger sein. Aber wenn es intelligente Wesen gibt, die nicht Materie-behaftet sind, dann werden sie, wenn es sie überhaupt gibt, nach meiner Meinung derart andersartig sein, dass wir mit ihnen wohl kaum kommunizieren können. Doch wie sind dann Engel-Erlebnisse zu interpretieren? (Ich meine jetzt nicht Träume von Engeln, sondern echte Erlebnisse).

Ich sehe verschiedene Möglichkeiten:
-- Engel-Erscheinungen könnten Auswirkungen von unbewussten Teilen des eigenen Gehirns in Form von visuellen Halluzinationen oder von Stimmenhören sein. Immerhin ist der weitaus größte Teil des Gehirns unbewusst und dem Bewusstsein nicht zugänglich. Bereits der Einfluss auf die Körpertemperatur und die Herzfrequenz erfordert schon langwierige Joga-Übungen oder intensives autogenes Training. Aber auch dann bleibt immer noch der größte Teil des Gehirns dem Bewusstsein unzugänglich. Stimmenhören muss nicht immer krankhaft sein, sondern kann auch sehr produktiv sein (z. B. bei Rilke).
-- Als Erklärung für Engelerlebnisse käme auch in Frage, dass sich abgespaltene "parasitäre" Persönlichkeiten im eigenen Gehirn in Form von Stimmen melden (dissoziative Störung, bzw. multiple Persönlichkeit).
-- Vielfach sind bei Engelerlebnissen auch parapsychologische Effekte im Spiel. Es heißt, dass außersinnliche Wahrnehmungen in Form der bekannten visuellen, akustischen oder andere Sinne wahrgenommen werden. Ich persönlich glaube, dass alle Lebewesen irgendwie vernetzt sind und eine Art kollektives Gedächtnis tragen, aber dieser Gedanke ist schon sehr spekulativ. In einem parapsychologischen Experiment, das wie eine spiritistische Sitzung aufgezogen war, konnte ein angeblicher Geist auch in einer Gruppe erzeugt werden.
Im Grunde ist es nur für die Wissenschaftler von Bedeutung, ob Engel Geistwesen ohne Materie sind, oder ob sie eine parasitäre Persönlichkeit in einem Menschen oder eine Funktion mehrerer verketteter Gehirne mit eigenem Bewusstsein sind. Die Auswirkung auf den, der Engel erlebt, wäre meines Erachtens in allen drei Fällen die gleiche.

Auf jeden Fall müssen wir, wenn wir Engel-Erlebnisse haben, diese anhand der Bibel und unseres Verstandes gründlich prüfen, ob wir sie als segensreich ansehen können oder als weniger segensreich oder gar als schädlich. Notfalls wende man sich an Psychologen oder Pfarrer. Ich persönlich denke, dass es eine große Gnade sein kann, Engel direkt zu erleben, solange man es nur im Privatleben umsetzt, dass es aber verheerend ist, neue Botschaften, die von der Bibel abweichen, in Umlauf zu bringen und damit neue Sekten zu gründen. Dann behalte man die Botschaften besser für sich.
 
 

Propheten und Stimmenhören

Propheten hören Stimmen, aber nicht jeder, der Stimmen hört, ist ein Prophet. Viele Stimmenhörer leiden darunter, und manche landen in der Psychiatrie. Psychiater deuten diese Stimmen anders als Theologen. Es gibt aber auch viele Menschen, die mit dem Stimmenhören gut zurechtkommen. Ich selber höre manchmal eine innere Stimme, die mir Tipps gibt, welcher Bus zuerst fährt (nicht immer richtig), oder wenn ich die Trinitätslehre kritisieren will, dann rät sie mir in der Regel davon ab und bremst mich aus.

Nicht alle Stimmen, die ein Prophet oder ein medial begabter Mensch hört, sind gut.  Wenn Propheten diese Stimmen mit dem Verstand prüfen und mit der Bibel verifizieren, kann für den Einzelnen dabei Nützliches herauskommen. Neue prophetische Bücher hingegen führen nur zu unnötig neuen Sekten und Religionen, denke ich. Wahrscheinlich gibt es so etwas wie eine Privatoffenbarung. Aber für die Öffentlichkeit ist in der Bibel genug gesagt. Da besteht kein Bedarf an neuer Offenbarung. Meist entstehen durch so etwas nur unnötig neue Sekten, was der Intention der Gemeinschaft aller Gläubigen zuwiderläuft.

Schon mit den Ratschlägen von Paulus, die er seinen damaligen Gemeinden gab, haben wir heute Schwierigkeiten. Sie waren in der damaligen Kultur die angemessene Art zum gottgefälligen Leben, aber in die heutige Welt lassen sie sich nicht so ohne weiteres übertragen. Aktuelle Fragen zum gottgefälligen Leben, wie über Tabak-Rauchen, Pille nehmen, Haarlänge bei Frauen, Rollenverteilung von Mann und Frau bis hin zum Widerstand gegen Diktaturen sind für Christen heute schwerer zu beantworten als in anderen monotheistischen Religionen. Wahrscheinlich sind diese Dinge eher eine Frage der jeweiligen Umwelt und Kultur, die sich rasch ändert, als eine Frage des christlichen Glaubens, der im Prinzip ja der gleiche bleibt.

Dagegen waren und sind die meisten Jesusworte meines Erachtens zeitunabhängig (zumindest solange der Mensch nicht irgendwann sein Gehirn gentechnisch völlig verändert).
 

Stimmenhören und das Böse

Auch Atheisten, die in der DDR aufgewachsen sind und nicht an den Teufel glauben, hören (als Stimmenhörer) zuweilen eine Stimme, die sich als der Teufel ausgeben. Die spirituelle Realität ist offenbar unabhängig von unserem persönlichen Glauben! Nicht immer ist es leicht, gute und böse Stimmen auseinander zu halten. Wie bei den Engel-Erlebnissen besteht meist das Problem in der Unterscheidung. Airin erklärte mir, dass man die Unterscheidung nicht nur mit dem Verstand treffen sollte, wie ich dachte, sondern auch mit dem Herzen. Ich stellte daraufhin fest, dass ein Stimmenhör-Erlebnis vom September 2003 etwas Zynisches an sich hatte, es folglich keine "gute" Stimme war.

Airin erzählte mir ferner, dass sich einige spirituell hochbegabten Menschen bewusst für andere Wege entscheiden, etwa für Macht. Ich hätte das für unmöglich gehalten, weil ich dachte, das Böse entspringt nur aus der Unwissenheit oder Schwäche des Menschen. Diese Machtmenschen fühlen sich nicht von "Anhaftung" betroffen, hier einer Sucht nach Macht, wie ein Alkoholiker von seiner Sucht nach Alkohol oder wie ein Mensch, der nach Reichtum strebt, an Materiellem anhaftet. Airin lehnte diesen Vergleich ab: "Diese spirituell hochbegabten Menschen folgen hier einer freien Willensentscheidung."  Ich selbst  habe mit dieser Vorstellung große Schwierigkeiten.
 
 

Meine Vorstellung von Kirche

Nach einem ökumenischen Gesprächskreis stellte ich fest, dass sich Katholiken und Protestanten bei allen Unterschieden doch sehr ähnlich sind in ihren Dogmen, was Trinität und die Natur von Jesus betrifft. Auch bei der jetzigen Ökumene stände ich also aufgrund meiner Ansichten weit außerhalb.

Ich träume von einer Kirche, die eine Gemeinschaft aller Jesus-Verehrer ist, die "Gemeinschaft der Heiligen", wie es im alten Glaubensbekenntnis heißt. Ich hasse es, wenn die Leute über Definitionen streiten und Sekten oder separate Konfessionen bilden. Egal, ob man Jesus als weisen Menschen mit guten Ideen sieht oder ob man glaubt, Christus sei Mensch-gewordener Gott – es verbindet uns doch die Lehre, den Nächsten zu lieben wie sich selber und Gott über alles. Und ob du Gott als "Person" siehst oder als die Kraft, aus der heraus der Kosmos sich entfaltet, auch das sind kindische Definitionen. Ich finde es bedauerlich, dass zum Beispiel beim Abendmahl die Kirchen sich noch nicht alle gegenseitig anerkennen, obwohl wir alle denselben Christus verehren. Vorbildlich finde ich da die jetzige Zusammenarbeit von Lutheranern und Reformierten in der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD), die noch vor nicht allzulanger Zeit Schwierigkeiten damit hatten.

Ich träume darüber hinaus auch von der Gemeinschaft aller, die Jesus verehren und versuchen, seine Lehre zu beherzigen, seien sie Buddhisten, Atheisten oder Angehörige anderer Religionen. Vielleicht spüren sie dann irgendwann den Heiligen Geist, auch wenn sie es dann anders benennen. Es kann doch wohl das Seelenheil nicht davon abhängen, was ich für historische Tatsache halte, und dass ich glaube, dass zwischen der Zeit des Moses und der Zeit der Apostel die Naturgesetze stellenweise außer Kraft gesetzt waren! Aber ich glaube auch, dass unsere heutige Naturwissenschaft noch lange nicht alles weiß, und höre immer wieder von Wunderheilern auch in heutiger Zeit. Ich glaube, dass Jesus bis heute mit seinen Heilerfolgen und mit seinen spirituellen Erfahrungen unübertroffen ist.

Ich persönlich denke, dass auch Jesus als Mensch menschliche Fehler hatte, aber wenn ich ihn mit Moses, Mohammed und Buddha vergleiche, gefällt er mir am besten. Allerdings finde ich, wir Christen sollten auch das Gute in den anderen Religionen sehen und gegebenenfalls übernehmen. Wir können von den anderen lernen, und sie vielleicht auch von uns.
 

Homosexualität

Paulus verurteilt Homosexualität ebenso wie verschiedene Dinge, die heute selbstverständlich sind, etwa dass Frauen in der Kirche reden. Das alte Testament verurteilt Homosexualität, enthält aber auch viele Gebote, die heute nicht mehr gelten, auch nicht im Judentum. Jesus äußerte sich nicht zu dem Thema. Ich denke, dass jeder versuchen sollte, seine Partnerschaft mit Liebe und möglichst christlich zu gestalten. Zwanghafter Verzicht auf Triebe, die niemandem schaden, ist meines Erachtens genauso unsinnig, wie auf die Nachspeise zu verzichten, um die Köchin zu ehren. Siehe auch die Broschmüre der Kirche: "Mit Spannungen leben", die auch im Internet zu finden ist.
 

Wahrsagerei und ähnliches

In der Bibel wird davon abgeraten, Wahrsagerei zu treiben. Die Wissenschaft untersucht dieses Gebiet unter dem Begriff "Parapsychologie". Man weiß heute erst sehr wenig darüber, genauso wie die Wissenschaftler damals, als man die Elektrizität entdeckte. Von Galvanis Entdeckung 1786, dass Froschschenkel bei verschiedenen Metallen zusammenzucken bis zur heutigen Elektrotechnik war ein langer Weg. Und vielleicht werden uns die parapsychologischen Effekte einst genauso vertraut sein wie heute die elektrischen Maschinen. Ob vom Aufsuchen von Wahrsagern gänzlich abzuraten ist, oder ob diese nur im Notfall nützlich sind, zum Beispiel um vermisste Kinder zu finden, weiß ich nicht. Vorsicht ist auf jeden Fall angebracht. Eine Freundin zeigte mir, wie man Auren sehen kann. Eine innere Stimme rät mir sehr davon ab, dies zu üben. Vielleicht ist es nützlich für Heilpraktiker, um die Krankheit eines Patienten ohne teure Apparate zu diagnostizieren. Ich weiß es (noch) nicht. Die gleiche Skepsis ist wohl manchmal auch bei der etablierten Schulmedizin angebracht.
 

Abtreibung und Sterbehilfe

Abtreibung ist meines Erachtens eine Frage der Religion und nicht des Staates. Es ist keine Art der empfehlenswerten Familienplanung, aber es gibt sicher Ausnahmegründe, warum sich auch gläubige Frauen schweren Herzens dazu entschließen können, ebenso wie zu einer Ehescheidung.

Ich finde, es wird bei der Verlängerung des Lebens mit allen medizinischen Möglichkeiten übertrieben. Ich selbst möchte keine Reanimation oder Weiterleben an Maschinen. Und ich würde lieber starke Schmerzmittel bevorzugen, die das Leben verkürzen (passive Sterbehilfe), als starke Schmerzen bei durch die Ärzte verlängertem Leben. Dagegen aktive Sterbehilfe, wenn es doch brauchbare Schmerzmittel gibt, halte ich für sehr bedenklich. Möglicherweise würden dann teure Pflegefälle sich unter moralischen Druck gesetzt fühlen.

Ich finde die Ansichten mancher Sekten, die Schutzimpfungen und Bluttransfusionen ablehnen, beachtenswert. Ob sie damit recht haben, wird vielleicht die Zukunft zeigen. Auf jeden Fall lehne ich künstliche Ernährung ohne ausdrücklichen Wunsch des Kranken strikt ab! Mein Onkel war durch Schlaganfälle immer stärker gelähmt. Schließlich verweigerte er im Frühjahr 2000 das Trinken und starb. Ich hätte es kriminell gefunden, ihn in diesem Fall zwangsweise zu ernähren. Ich selbst möchte keinesfalls länger leben als ich unbedingt muss.

Selbstmord

Nach intensiven Selbstmordgedanken wurde ich 1980 gefragt, ob ich denn keine Angst vor der Hölle hätte. Daraufhin verlor ich meinen Glauben und fand ihn erst 18 Jahre später wieder. Bei meinen Depressionen hatte ich allerdings damals den Gedanken, dass selbst eine mittelalterliche Hölle à la Dante immer noch angenehmer ist als die Einsamkeit hier und jetzt! Wenn Gott Selbstmörder mit Hölle bestraft, verhält er sich wie das DDR-Regime, das Republikflucht unter Strafe stellt. Kann man so einen Gott verehren? Ich nicht! Kommt also jemand in die Hölle, weil er eine Krankheit hatte, die mit Medikamenten hätte gedämpft werden können, weil also die Chemie in seinem Gehirn nicht stimmte? Dazu bekam ich damals keine brauchbare Antwort. Als ich 1980 in (psychischer) Not bei der Kirche anklopfte, wurde mir nicht aufgemacht - der Studentenpfarrer hatte keine Zeit, er musste seine Predigt vorbereiten. Ich landete dann in einer Klinik mit atheistischen Therapeuten. Inzwischen bekomme ich bei Bedarf Medikamente vom Arzt. Das Thema ist für mich (hoffentlich!) nicht mehr akut.

Auch der Islam und die fernöstlichen Religionen lehren üble Folgen für die Seele eines Selbstmörders, aber vielleicht war es schon immer so, dass die Herrschenden (weltliche und geistliche) keine Untertanen durch diese Art ultimativer "Republikflucht" verlieren wollten.

In der Bibel wird Selbstmord differenziert betrachtet und gilt nicht automatisch als Sünde. Erst seit Augustin (etwa seit die Kirche im römischen Reich zur herrschenden Religion geworden war) gilt der Selbstmord automatisch als schwere Sünde oder Todsünde. Selbstmördern wurde bis weit ins 20. Jahrhundert eine kirchliche Beerdigung verweigert. Erst infolge der Erkenntnisse der Medizin und der Psychologie fingen die Kirchen an, umzudenken und Menschen, die an Selbstmord denken, als Kranke mit Bedarf an Seelsorge zu sehen und es nicht einfach als Sünde abzutun. Auch in anderen Religionen betrachtet man die Sache heute differenzierter. Gott ist liebevoller, als der Mensch denkt.
 

Der Gläubige

Eine Verwandte schrieb mir: "Man kann es bei den Menschen spüren, ob sie den Geist Christi in sich tragen oder nicht. An der Auswirkung ihres Handelns und an heilenden Begegnungen spürt man es. Man erkennt es einfach gefühlsmäßig und strebt nach der Nähe solcher Menschen, weil sie einem gut tut." Ich würde dazu ergänzen:  Und dann ist es egal, welcher offiziellen Religion der Gläubige angehört.

Hanna-Chris  Gast
 

Meine persönlichen Gedanken zur Trinitätslehre

Die großen christlichen Kirchen sehen Gott vor allem
1. im Gott Israels, der im Alten Testament der Bibel beschrieben wird, und in der Natur
2. in Jesus Christus, der uns lehrte, Gott wie einen Vater zu sehen,
3. im Heiligen Geist, soweit er in der Kirche wirkte und wirkt.
Weitere Quellen der Gotteserkenntnis werden (bis jetzt?) ausgeschlossen.

Ich gebe zu, dass diese drei Quellen für den Christen ausreichen können, und für eine religiöse Gemeinschaft muss man sich sowieso auf gewisse Dinge einigen ("Normung"), da eine Gemeinschaft schlecht funktionieren kann, wenn jeder sich seine eigene Religion bastelt. Paulus mahnte zur Rücksicht auf die "Schwachen" im Glauben.

Die Trinitätslehre ist nicht biblisch, aber auch Christen können sich darauf berufen, dass "unbiblisch" noch lange nicht automatisch "unwahr" heißen muss. "Der liebe Gott passt nicht zwischen zwei Buchdeckel" heißt es ja so schön.

Aber — Diese Trinitätslehre sagt mehr über die menschliche Psyche aus als über Gott, wie er tatsächlich ist. Nach Kant und Platon kann der Mensch die Wirklichkeit nicht so wahrnehmen, wie sie wirklich ist, aber er kann aus dem Abbild in seinem Gehirn doch relativ viele Schlüsse auf die Wirklichkeit ziehen. Die Kirchen müssten von daher sagen: "Wir nehmen Gott in drei Quellen wahr, aber wir können keine verbindlichen Aussagen über ihn treffen, die über die Bibel hinausgehen."

Heutzutage haben viele Christen, nicht nur ich, große Schwierigkeiten mit der Vorstellung, "Gott ist Mensch geworden" oder "Jesus war göttlich", und nun rächt sich, dass die Kirche in ihren Konzilen des vierten Jahrhundert diejenigen ausgeschlossen haben, die Jesus als Mensch sahen (wie es ja auch die drei synoptischen Evangelien taten!). Nach einer Untersuchung von Professor Jörns (siehe unten) in Berlin glauben die meisten interviewten Christen nicht an die Trinität, und auch bei den Pfarrern höchstens die Hälfte daran. Ich denke, es ist an der Zeit, dass die Kirchen sich auch offiziell öffnen für Gläubige, die Jesus nur als Menschen ansehen und den Heiligen Geist nur als 'Kraft', nicht als Person.

Die mittelalterlichen Mystiker sagten:  "In jedem Menschen ist ein 'Fünklein' Gottes." Wir heutigen Menschen würden das erweitern zu:  "In jedem Menschen, Tier, in jeder Pflanze und jedem Atom ist ein 'Fünklein' Gottes". Gleichzeitig sind wir uns bewusst, dass der menschliche Verstand sich zu Gott verhält, wie ein Fingerhut voll Wasser zum Ozean. Von daher gesehen ist natürlich auch in Jesus unbestreitbar etwas Göttliches, genauso wie in mir und in Dir, und auch in jedem Atom dieser Welt (wenn auch in einer höheren 'Dosis').

Im Zeitalter der Globalisierung können wir uns ferner nicht dem verschließen, was uns die Gläubigen anderer Kulturen und Religionen über Gott zu sagen haben. Heutzutage wird von vielen Christen (sogar dem letzten Papst) zugegeben, dass es auch Heilswege außerhalb des Christentums gibt.

Und wer unbedingt Philosophie treiben will — die heutige Fragestellung lautet: "Ist Gott eine Kraft bzw. Energie, oder ist Gott eine Person, die mit uns redet, oder trifft sogar beides gleichzeitig zu?!"

Statistik-Quelle:
Klaus-Peter Jörns, "Kontemplation und Mystik", Heft 1/2003 Seite 21ff:
Nur 54% der Pfarrer in Westteil und 71% im Ostteil von Berlin-Brandenburg bekannten sich 1992 bei einer Umfrage zur Trinität.
 

Schlusswort: Glaubensbekenntnis im Gottesdienst

Abgesehen, dass ich die Trinität anzweifele, passe ich wohl glaubensmäßig am ehesten in die evangelische Kirche. Am liebsten aber sind mir ökumenische Veranstaltungen.

Besser als das übliche Glaubensbekenntnis, dass ich wegen der Passage "geboren von der Jungfrau Maria" nicht mitsprechen kann, gefällt mir das folgende Glaubensbekenntnis von einer Bibelfreizeit der Markusgemeinde im November 2005 (an der ich leider nicht teilnehmen konnte). Dieses könnte ich vollständig mitbekennen:

Ich glaube
an Gott, den Barmherzigen und Liebenden, der vor uns war und mit uns sein will. Er hat uns seine Schöpfung anvertraut, damit wir darin wirken und sie bewahren.

Ich glaube
an Jesus Christus, den Offenbarer von Gottes umfassender Liebe, gesegnet und berufen zum Vorbild, Verkünder und Wegweiser für ein Leben in Frieden. Von den Menschen seiner Lehre wegen gekreuzigt, bleibt er für uns lebendig und weist uns den Weg zu Gott.

Ich glaube
an das Wirken des Heiligen Geistes in der Welt, an die Gnade der Vergebung und Gottes JA zum Leben. 

Amen.

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Hanna-Chris Gast
Stand: 22. März 2009
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